Aug in Auge

 

Aug in Auge

 


"Aug in Auge" von Tschingis Aitmatov (nominiert für den Literatur-Nobelpreis 2006) ist das erste, länderübergreifende Theaterprojekt von Coop05. Aitmatovs beklemmende Erzählung über eine Frau die ihren desertierten Mann gegen den Widerstand eines ganzen Dorfes versteckt, wurde von Coop 05 dramatisiert und mit einfachsten Mitteln auf der Bühne umgesetzt und im März 2007 vom Bundeskanzleramt in Wien prämiert.

Thema der Arbeit ist Krieg und die Entfremdung menschlicher Grundsätze.
Auf einer leeren Bühne konzentriert sich Regisseur Gerhard Roiss auf den Menschen und seine Würde .
Eigens für dieses Stück komponierte Gesänge und entfremdete Volkslieder, sowie instrumentale Stimmungen bilden die Basis für das Archaische der Geschichte.

Die Erzählung

"Aug in Auge" beruht auf wahren Begebenheiten. Aitmatov schrieb sie aufgrund seiner eigenen Erlebnisse während des 2.Weltkrieges., sie war seine erste literarische Veröffentlichung -2007 genau vor 50 Jahren.
Krieg. Ein kirgisisches Dorf .: Sejde, eine junge Frau, lebt mit ihrem kleinen Sohn und ihrer Schwiegermutter hier. Eines nachts klopft es an ihr Fenster: Ismail, ihr Mann ist da. Desertiert. Sejde versteckt ihn und bietet dem ganzen Dorf und den Polizeikommissaren die Stirn.
Kämpft gegen ihr moralisches Gewissen der Gemeinschaft gegenüber, teilt die spärlichen Lebensmittel...sorgt dafür, dass ihr Mann, den sie liebt, überlebt.
Doch etwas Fremdes taucht in Ismails Augen auf. Der Hunger, die Kälte und die Würdelosigkeit seines Daseins nehmen mehr und mehr von der Person, die er einmal war. Als Ismael durch den Raub einer Kuh den Nachbarskindern die Grundlage für ihr Überleben nimmt, führt Sejde die Dorfgemeinschaft zum Versteck ihres Mannes.

Der Autor

Tschingis Torekulowitsch Aitmatow wird am 12.Dezember 1928 im Dorf Sheker im Talas-Tal als ältestes von vier Kindern geboren .Sein Vater ist Gebietsparteisekretär der KPdSU in Kirgisistan. 1935 Umzug der Familie nach Moskau, wo der Vater studieren will. 1937 Erschießung des Vaters im Zuge der stalinistischen „Säuberungsaktionen“.( Rehabilitierung 1956 ) Nach dessen Rehabilitierung im Jahr 1956 Rückkehr der Familie nach Kirgisistan.
Ab 1942 arbeitet der 14-jährige Tschingis Aitmatow als Sekretär des Sowjets seines Heimatdorfes.1946 holt er den Abschluß der 8. Klasse nach, studiert dann am Veterinärtechnikum in Dzambul und ab 1948 am Kirgisischen Landwirtschaftsinstitut in Frunse ( später Bischkek ), Abschlußprüfung 1953 mit Auszeichnung. Eine wissenschaftliche Aspirantur scheitert am Einspruch des Parteibüros. Aitmatow arbeitet als Tierzüchter und beginnt zu schreiben. 1954-1956 Lehrgang für junge Autoren am Moskauer Gorki-Literaturinstitut. Seine Abschlußarbeit ist die Erzählung „Dschamilja“( Erzählung, Buchausgabe 1959)
Anschließend arbeitet Aitmatow als Chefredakteur der Zeitschrift „Literaturnaja Kirgizija“ und als „Prawda“-Korrespondent. 1988 übernimmt er die Chefredaktion der Moskauer Zeitschrift „Innostrannaja Literatura“ (Literatur des Auslands).
In der Sowjetunion wird Aitmatow zu einem der beliebtesten Autoren. Anerkennung wird ihm auch von offizieller Seite zuteil: Für seine „Erzählungen der Berge und Steppen“ erhält er 1963 den Leninpreis, für den Roman „Abschied von Gülsary“ (1966), 1968 den Staatspreis. 1968. Nach diesen ersten Erfolgen schreibt Aitmatow zweisprachig : russisch und kirgisisch.
In den 70er Jahren emanzipiert sich Aitmatows Erzählstil zunehmend von der staatlich propagierten Poetik des „Sozialistischen Realismus“ Auffallend ist vor allem die Einarbeitung mythischer Zitate, vorzugsweise aus kirgisischen Epen und Legenden, die dem Leser eine faszinierend fremde Welt erschließen und zugleich den thematischen Zugang zu allgemein-menschlichen und ethischen Fragen eröffnen. In Werken wie „Abschied von Gülsary“ (1966) und „Der weiße Dampfer“ (1970) behandelt er soziale Konflikte, die oft im Alltagsleben der ländlichen Bevölkerung Kirgisistans angesiedelt sind. Wiederkehrende Themen sind das Verhältnis der Macht des Staates oder Kollektivs zu dem Individuum, und der Tradition gegenüber der persönlichen Emanzipation, sowie die Frage der Macht des Menschen über die Natur. Aitmatow entwickelt so ein ethisch ausgerichtetes, ökologisch fundiertes Weltbild. In der Sowjet-Kritik setzt er sich damit freilich dem Vorwurf des „abstrakten Humanismus“ aus „ (Quelle: Munzinger Archiv)
Weitere Werke:“ Der Tag zieht den Jahrhundertweg“, „Der Richtplatz“
„Begegnung am Fudschijama“ (Auswahl)
2006 wird T. Aitmatov für den Literatur-Nobelpreis nominiert.
T.Aitmatov ist Botschafter der Republik Kirgisien in Brüssel.

Aktuelle Zahlen

Seit dem Jahr 2000 gibt es über 40 000 Deserteure der US-Streitkräfte
Fast die Hälfte der Bevölkerung Afghanistans hat ihren gesamten Besitz verloren.
13 Millionen Iraker werden offiziell als DP `s geführt ( displaced persons, -Menschen ohne Heimat)
Mehr als sechs Millionen Menschen sind aus dem Irak geflohen.
655.000 Menschen haben seit dem Einmarsch der US -Truppen im März 2003 ihr Leben verloren.

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